Naben- oder Mittelmotor: Welcher E-Bike Antrieb passt am besten zu dir?

Du bist dir unsicher, ob du lieber mit einem Nabenmotor oder einem Mittelmotor unterwegs sein solltest? In diesem Artikel erklären wir dir die verschiedenen Motortypen, die bei Elektrofahrrädern zum Einsatz kommen, und ihre Eigenschaften.

Der Motor ist der Antrieb deines E‑Bikes – das Herzstück sozusagen. Er treibt dich an, indem er dich durch elektrische Kraft beim Treten unterstützt. Dabei passt er seine Leistung an deine Geschwindigkeit, Trittkraft und -frequenz an und erzeugt so ein Fahrgefühl, das sich für dich möglichst natürlich anfühlt. Wie der Motor deines E‑Bikes arbeitet, welche unterschiedlichen Antriebe es gibt und wie du die richtige Wahl triffst, zeigen wir dir im Folgenden.

Symbiose E-Bike: Motor, Akku, Steuerung und du

Der Motor allein bringt das E-Bike nicht zum Laufen. Erst das Zusammenspiel aus Antrieb, Akku und Steuerung – sprich Sensorik und Controlling – macht aus einem Fahrrad ein Pedelec. Damit es Fahrt aufnimmt, braucht es allerdings noch eine weitere Komponente: dich. Schließlich funktioniert das Bike nach dem Unterstützungsprinzip, wobei deine eigene Kraft von der Kraft des Motors ergänzt wird. Zuerst schauen wir uns an, wie die einzelnen Komponenten ineinandergreifen und das Rad zum Funktionieren bringen.

Steuerung

Die Steuerung besteht aus Sensoren und einem Controller. Die Sensoren tracken dein Fahrverhalten (genauer gesagt deine Geschwindigkeit), deine Trittkraft und deine Trittfrequenz. Diese Daten werden an den Controller übermittelt, der daraufhin die Motorunterstützung reguliert.

Motor

Auf Grundlage der Messungen der Sensoren und angetrieben von der Energie der Batterie unterstützt der Motor dich beim Radeln. Das tut er aber nur, wenn du auch selbst in die Pedale trittst.

AKKU

Der Akku liefert dem Motor die nötige Energie zu, um dich beim Treten zu unterstützen und somit voranzubringen. Der Akku treibt also den Motor an, der dich dann schließlich antreibt.

DISPLAY

Eine vierte Komponente beim E-Bike, die vor allem für Komfort und Transparenz sorgt, ist der Bordcomputer. Über ein am Lenker montiertes Display kannst du deine Unterstützungsstufe wählen und wichtige Informationen wie die verbleibende Akkureichweite und die Fahrgeschwindigkeit einsehen.

Je nach Hersteller können die genauen Bezeichnungen der einzelnen Komponenten übrigens variieren und auch die Trennlinien verschwimmen hin und wieder. Bosch beispielsweise spricht bei seinen E-Bike Antriebssystemen von sogenannten Drive Units. Eine Bosch Drive Unit beinhaltet Motor und Steuerung und ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich, die wir uns später genauer anschauen. Auf Wunsch gibt es einen darauf abgestimmten Akku und ein passendes Display dazu.

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Antriebsarten: Mittelmotor, Frontmotor, Heckmotor?

Das erste Kriterium bei der Unterscheidung von E-Bike Antriebsarten ist die Position des Antriebssystems – genauer des Motors. Diese wirkt sich nämlich maßgeblich auf Funktionalität und Fahrgefühl aus und bestimmt außerdem mit, welche Schaltungsarten für dein Fahrrad infrage kommen und ob das Bremsen via Rücktritt möglich ist. Man unterscheidet zwischen Mittelmotor, Frontmotor und Heckmotor (auch Nabenmotor genannt).

E-Bike Mittelmotor: Der Klassiker

Bei der großen Mehrheit der E‑Bikes hat sich der Mittelmotor als Standard durchgesetzt. Er sitzt im Tretlager des Fahrrads und sorgt so dafür, dass der Gewichtsschwerpunkt des Bikes tief in der Mitte liegt. So entsteht ein stabiles und sicheres Fahrgefühl. Das Rad bricht nicht aus und du gerätst nicht aus dem Gleichgewicht.

Die Position des Motors im Zentrum des Elektrofahrrads in unmittelbarer Nähe der Pedalen ermöglicht eine kraftvolle und präzise Tretunterstützung, die ohne Verzögerung einsetzt. Die verbauten Sensoren ermitteln Geschwindigkeit, Rotation sowie Tretkraft und können die Intensität der Motorunterstützung dadurch optimal an deine Fahrweise anpassen.

Bosch Performance Line Motor
Die meisten E-Bikes sind heute mit Mittelmotoren ausgestattet.

Auf diese Weise entsteht ein harmonisches und natürliches Fahrgefühl, das dem eines Fahrrads ohne Elektroantrieb besonders nahekommt – auch dann, wenn du gerade ohne Unterstützung fährst. Das ist immer dann der Fall, wenn eine Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht ist oder du dein E‑Bike in den Off-Modus schaltest.

Der Mittelmotor lässt sich mit Ketten- und Nabenschaltung kombinieren. Radwechsel können, anders als beim Heck- oder Frontantrieb, problemlos und ohne Einschränkungen durchgeführt werden. Ganz so, wie du es vom herkömmlichen Fahrrad gewohnt bist. Da bei diesem Antriebssystem der Verschleiß von Kette und Ritzel höher ist, verlangt das Bike jedoch mehr Wartung. 

Die Antriebsart ist darüber hinaus etwas teurer als die Front- und Heckvariante, ist dafür aber für jeden Bike-Typen gleichermaßen geeignet: Sowohl sportliche Fahrten mit dem Mountainbike als auch alltägliche Fahrten mit dem Cityrad lassen sich mit einem Mittelmotor komfortabel und sicher bestreiten. Auch die Kombination mit einer Rücktrittbremse ist möglich.

Typische Einsatzbereiche: Sämtliche E-Bike Kategorien

E-Bike Hecknabenmotor: Weniger verbreitet

Der Heckmotor wird in der Hinterradnabe verbaut und ist auch als Nabenmotor bekannt. Bezeichnend für Pedelecs mit Nabenantrieb ist das Gefühl, förmlich von der Motorkraft angeschoben zu werden. Heckmotoren gelten als besonders leicht und sind daher vor allem bei sportlichen Fahrern beliebt, da die Räder somit oftmals leichter und sportlicher sind. Im Vergleich mit Mittelmotoren erreichen sie aber nicht die gleichen hohen Drehmomentwerte.

Hecknabenmotoren sind ausschließlich mit Kettenschaltungen kombinierbar, da die Nabe im Hinterrad schon vom Motor besetzt ist und somit keinen Platz mehr für eine Nabenschaltung bietet. Dasselbe gilt auch für die Rücktrittbremse.

Wichtig: Anders als der zentral installierte Mittelmotor verlagern Antriebssysteme, die in der Nabe des Vorder- oder Hinterrads verbaut sind, das Gesamtgewicht eines E‑Bikes in die entsprechende Richtung – mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen. Hecknabenmotoren punkten beispielsweise durch ihre gute Traktion, gleichzeitig kann das Vorderrad im steilen Gelände leichter abheben.

Typische Einsatzbereiche: E-Gravelbikes und E-Rennräder, leichte Urban E-Bikes

E-Bike Frontnabenmotor: Seltenheitswert

Der Frontmotor befindet sich in der Radnabe des Vorderrads. Dadurch entsteht ein frontaler Gewichtsüberschuss, der die Radgabel mit der Zeit stark beansprucht und sich außerdem auf das Fahrgefühl auswirken kann. Das Lenken wird schwerfälliger und das Rad wird förmlich nach vorn gezogen, wenn die Unterstützung einsetzt. E‑Bikes mit Frontmotoren können mit Rücktritt ausgestattet sein und sind mit Ketten- und Nabenschaltungen kompatibel.

Frontnabenmotoren stellen meist die preiswerteste Alternative dar, sind aber vor allem für sportliche Fahrten und bergige Regionen eher weniger geeignet, da das Vorderrad aufgrund der hohen Belastung schneller durchdrehen kann. Frontnabenmotoren spielen aus diesem Grund auf dem E-Bike Markt heute kaum mehr eine Rolle.

Typische Einsatzbereiche: Günstige E-Bikes

Das bedeuten Drehmoment, Unterstützungsstufe und Co.

Die Kraft eines E-Bike Antriebs ergibt sich aus drei Faktoren: der Motorleistung, dem Antriebsdrehmoment und der maximalen Unterstützung.

Motorleistung: Darum ist sie bei jedem E-Bike gleich?

Per Gesetz darf die Leistung eines Pedelec-Motors maximal 250 Watt (W) betragen. Von den Herstellern wird dieses Potenzial in der Regel auch ausgeschöpft. Folglich ist die Motorleistung bei allen E-Bikes gleich und lässt sich als Entscheidungshilfe beim Kauf eher nicht heranziehen.

Was ist das Antriebsdrehmoment beim E-Bike?

Aussagekräftiger ist hingegen das Drehmoment. Die in Newtonmetern (Nm) angegebene Kennzahl beschreibt die Kraft, mit der der Motor das E-Bike antreibt. Je höher das Drehmoment, desto schneller beschleunigt das Fahrrad und desto weniger Kraft musst du selbst aufbringen, um voranzukommen. Während für den alltäglichen Gebrauch im städtischen Kontext und auf vorrangig ebenen Straßen ein niedrigeres Drehmoment von 40 Nm ausreicht, lohnt sich für E-Biker, die häufig bergauffahren oder Lasten transportieren, durchaus auch ein größeres Drehmoment von beispielsweise 65 Nm. Für sportliche Trails im steilen Offroad-Bereich kommt durchaus auch ein Antriebsdrehmoment von 75 bis 85 Nm infrage.

Maximale Unterstützungsstufe: Wie viel Support liefert der E-Antrieb?

Bei jedem E-Bike stehen dir von Haus aus verschiedene Unterstützungsstufen zur Verfügung. Sie werden auch als Fahrmodi bezeichnet und geben an, mit wie viel Prozent deiner eigenen Tretleistung der E-Bike Antrieb dich unterstützt. Neben dem OFF-Modus, bei dem du ohne Unterstützung fährst, gibt es je nach Hersteller noch verschiedene weitere. Bei Bosch gibt es beispielsweise die Stufen Eco, Tour, Sport und Turbo. Die Unterstützungsleistung der einzelnen Stufen wird in Prozent angegeben und misst sich an deiner eigens aufgebrachten Kraft. Bei einer Unterstützung von 100 % wird diese beispielsweise verdoppelt. Der Eco-Modus pendelt sich meist bei einem Wert von 40 % bis 60 % ein, während der Turbo-Modus die maximale Unterstützungsstufe darstellt. Je nach Antriebssystem kannst du in dieser Einstellung mit dem 2,5- bis 4-fachen deiner eigenen Leistung angetrieben werden – zumindest solange die Geschwindigkeitsgrenze von 25 km/h nicht überschritten wird.

Aktuelle Bosch E-Bike Antriebe nach Drehmoment und max. Unterstützung

Antriebssystem Drehmoment Max. Unterstützung Mögliche Schaltung
Active Line 40 Nm 340 % Nabenschaltung
Kettenschaltung
Active Line Plus 50 Nm 340 % Nabenschaltung
Kettenschaltung
Cargo Line (für Cargos) 100 Nm 400 % Nabenschaltung
Kettenschaltung
Performance Line 75 Nm 340 % Nabenschaltung
Kettenschaltung
Performance Line Smart System 75 Nm 340 % Nabenschaltung
Kettenschaltung
Performance Line CX 85 Nm 400 % Nabenschaltung
Kettenschaltung
Performance Line CX Smart System 100 Nm 400 % Nabenschaltung
Kettenschaltung

Welcher E-Bike Antrieb passt am besten zu dir? Unser Fazit

Welcher E-Bike Motor der richtige für dich ist, hängt vor allem von deinem Fahrstil und deinen Anforderungen ab. Der Mittelmotor gilt als Allrounder und überzeugt mit natürlichem Fahrgefühl und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Der Heckmotor punktet bei sportlichen Bikes durch Leichtigkeit und ein dynamisches Schubgefühl, ist aber in Sachen Drehmoment nicht so stark wie der Mittelmotor. 

Wichtig: Neben der Motorposition spielen auch Drehmoment und Unterstützungsstufen eine Rolle – sie entscheiden, wie kraftvoll dich dein E-Bike im Alltag oder im Gelände unterstützt. Am Ende gilt: Überlege dir, wo und wie du dein E-Bike am häufigsten nutzt – dann findest du den Motor, der wirklich zu dir passt.

Unser Tipp: Probefahrten mit unterschiedlichen Antrieben sind die beste Möglichkeit, das passende Fahrgefühl für dich zu entdecken.

FAQ – Häufige Fragen zum Thema E-Bike Antriebe

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